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Verlag Walter de Gruyter

Als Sohn eines Kohlehändlers kam de Gruyter nahe den Kohlelagerstätten des Ruhrgebiets in der rheinischen Industriemetropole Duisburg zur Welt, wo er nach absolviertem Studium auch arbeitete. Im väterlichen Kohlebetrieb gelangte er zu den liquiden Mitteln, welche seine spätere Investorentätigkeit möglich machten. Germanistik studierte er in Berlin, Bonn und Leipzig und promovierte bei Friedrich Zarncke, der sich um die Universitätsgeschichte Leipzigs sehr verdient gemacht hatte. Nach dem Ende der Kohlewirtschaft stieg de Gruyter in das Verlagswesen ein, begann als Volontär für den renommierten Georg Reimer Verlag und übernahm diesen wenige Jahre später. Der aus der Königlichen Realschulbuchhandlung hervorgegangene Verlag publizierte alles, Geisteswissenschaften gleichermaßen wie Naturwissenschaften und Mathematik. Sein Renommee rekrutierte der Wissenschaftsverlag durch die Kooperation mit der Königlichen Preußischen Akademie der Wissenschaften und dem Deutschen Archäologischen Institut sowie Friedrich Schleiermacher.

Geisteswissenschaften, Juristerei, Naturforschung und Mathematik

Weitere Denker, die der Verlag publizierte, waren Aristoteles, Kant und die Gebrüder Grimm. Auf dieser Basis verfolgte de Gruyter in den kommenden zwei Jahrzehnten das Ziel, verschiedene Wissenschaftsverlage unter einer Hand zu vereinen durch weitere Teilhaberschaften und Aufkäufe. In der Buchhandlung des rechtswissenschaftlich orientierten Immanuel Guttentag Verlags stieg er zum Geschäftsführer auf. Mit der Neueröffnung der Universität Straßburg entstand ein Verlag, der sich mit der historischen nordfranzösischen Region in der rheinischen Grenzregion, germanistischer Philologie, Altertumskunde und Sprachwissenschaft befasste. An diesem Elsasser Verlag namens Karl J. Trübner beteiligte sich de Gruyter. Eine weitere Teilhaberschaft erwarb der Investor an der G. J. Göschen’sche Verlagsbuchhandlung.

Eingliederung wissenschaftlicher Verlage

Dieser altehrwürdige Leipziger Verlag verlegte anfangs Klassiker wie Schiller, Goethe, Lessing, Wieland und Klopstock, erweiterte sein Programm dann um populäre Wissenschaften, nahm Gottfried Keller auf und fusionierte letztlich mit vier anderen von de Gruyter aufgekauften Verlagen im Jahr 1919 zur Vereinigung wissenschaftlicher Verleger, Walter de Gruyter & Co. Worunter sich der Verlag des altliberalen Stadtverordneten Berlins Moritz Veit befand, der medizinische, naturwissenschaftliche, forstwissenschaftliche und juristische Werke verlegte. Als Gründungsjahr des Verlags Walter de Gruyter wird aber 1918 angegeben.

Heute arbeiten rund 350 Mitarbeiter für den in Berlin ansässigen unabhängigen Wissenschaftsverlag mit Zweigstellen in München, Basel, Boston und Peking. In Anbetracht der Vorgeschichte blicken diese heute auf eine rund 260-jährige Verlagsgeschichte zurück. Die internationale Ausrichtung zeigt sich daran, dass die Hälfte der jährlich veröffentlichten 1300 Titel in englischer Sprache erscheint. Seit 2008 vertieft de Gruyter im Rahmen der Digitalisierung das elektronische Angebot um Fachzeitschriften und andere Werke. Inzwischen rangiert der Verlag auf Platz 3 unter den Open-Access-Anbietern.