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Der Orlanda Verlag erhebt das Wort gegen die Unterdrückung von Frauen

Obgleich im Orlanda Verlag sowohl belletristische Romane als auch Sachbücher erscheinen, greifen sämtliche Werke politisch und gesellschaftskritische Themen auf. Seit der Gründung im Jahre 1974, nach der sich das literarische Projekt zunächst Frauenselbstverlag und später Sub rosa Frauenverlag nannte, veröffentlichen die Autorinnen provozierende Schriften zu verschiedenen Bereichen. Erst seit 1986 wird das Unternehmen unter dem heute aktuellen Namen Orlanda Verlag geführt. Den aufrüttelnden Inhalten der Romane sind sie jedoch treu geblieben, haben diese sogar erweitert. Zunächst standen hauptsächlich die Rechte der Frau im Vordergrund. Die Rolle des weiblichen Geschlechts im alltäglichen Leben, in der Gesellschaft und der Politik sowie Abhandlungen zum Wohlergehen und der Gesundheit. Dabei nahmen die Schriftstellerinnen kein Blatt vor den Mund, machten auch vor heiklen Themen wie Sexismus, Gewalt und Misshandlung keinen Halt.

Tiefgründige Themen machen auf Missstände aufmerksam

Der Orlanda Verlag möchte anderen Frauen Mut zusprechen, zum freien Denken und der Selbstverwirklichung anregen. Mittlerweile thematisieren die Schriftstücke ebenfalls rassistische Schicksale. Insbesondere türkische Migrantinnen kommen zu Wort und erzählen über die Schwierigkeiten, sich mit der deutschen Kultur zu identifizieren und nach Verlassen des Heimatlandes zu sich selbst zu finden. Provokant, tiefgründig und unverblümt publiziert der Orlanda Verlag Werke, die zum Nachdenken anregende Einblicke auf das geben, was Frauen auf der Seele brennt.

Starke Worte, starke Frauen – die Autorinnen und Mitwirkenden des Verlags

Dagmar Schultz gilt als die Gründerin, die das Frauenprojekt 1974 ins Leben rief. Sie arbeitete bis 2001 selbst als Verlegerin bei dem Unternehmen, ehe sie die Geschäftsführung an Ekpenyong Ani und Anna Mandalka übergab. Inzwischen ist Ekpenyong Ani nur noch als Lektorin und Übersetzerin tätig, während ihre Kollegin den Verlag alleine leitet. Doch sind es überdies viele deutsche Schriftstellerinnen aber auch Autorinnen mit Migrationshintergrund, die den Verlag mit ihrer Fantasie und Ausschnitten aus ihrer bewegenden Biografie bereichern. May Ayim, gebürtige Afrikanerin, war eine von ihnen. Noch heute – auch nach ihrem Tod – wird ihr Gedicht „Farbe bekennen“, in dem sie eindrucksvoll den langen Weg der Akzeptanz der deutschen Angehörigkeit sowie Fremden- und Frauenhass beschreibt, als gesellschaftlich wertvolles literarisches Werk erwähnt. Ihre Veröffentlichungen dienen nun zahlreichen Autorinnen als Vorbild und bewirkt zudem, dass die Untaten des Kolonialisten von der Groeben öffentlich gemacht wurden. Mit der darauf folgenden Umbenennung des Groebeufers in Berlin inkludierte man einen Teil der afro-deutschen Frauenbewegung fest in die hiesige Gesellschaft.

Der Orlanda Verlag versteckt sich nicht – Erfolge durch Medienpräsenz

Doch um auf die thematisierte Problematik aufmerksam zu machen, nutzt der Orlanda Verlag nicht ausschließlich den Druck. Ebenso organisieren die Verantwortlichen regelmäßig Lesungen oder sonstige Veranstaltungen. Nicht zuletzt treten ebenfalls viele Autorinnen als Gäste in Talkshows auf oder erläutern ihre Ansichten in Zeitungsinterviews. Nicht immer stoßen sie dabei auf Verständnis der Zuhörer. Dennoch lassen sich die Aktivistinnen nicht den Mund verbieten. Ganz im Gegenteil, ein raffiniertes Mittel, das Ausmaß der Frauendiskriminierung aufzuzeigen, ist die Veröffentlichung der Hassmails, die Autorinnen des Orlanda Verlags nicht selten erhalten. Wer jedoch Sympathie für das mutige Frauenprojekt empfindet, ist herzlich eingeladen, selbst mitzuwirken. Dazu bietet der Verlag entweder ein drei monatiges, ehrenamtliches Praktikum an oder empfängt auch gerne Leseproben aus dem Bereich der Belletristik oder sachlicher Inhalte.