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Die Geschichte des Aufbau-Verlags

Der Aufbau-Verlag wurde 1945 in Berlin durch die „Aufbau-Verlags GmbH“ gegründet. Der Geburtsstunde des Verlags war die Gründung des „Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands e. V.“ vorausgegangen. Dieser Sachverhalt erklärt, wie es nach der Wende zur Insolvenz des Aufbau-Verlags kommen konnte. Der Gesellschaftsvertrag der Aufbau-Verlags-GmbH legte fest, dass die Interessen des Kulturbundes nicht übergangen werden dürften.

Seinen Sitz hatte der Verlag bis zur Wende in Ostberlin; in der Französischen Straße. Zum Programm der Gründerjahre gehörten die Werke der Weltliteratur wie beispielsweise „Deutschland. Ein Wintermärchen“ von Heinrich Heine. Auch die Bücher der Autoren, die während der Zeit des Nationalsozialismus ausgewandert waren, gehörten zum Programm. Anna Seghers Roman „Das siebte Kreuz“, erschienen 1946, wurde einer der großen Erfolge des Aufbau Verlags. Auch die russischen Klassiker von Leo Tolstoi oder Maxim Gorki waren Bestandteil des Verlagsprogramms. Später wurden auch sozialistisch geprägte Texte von Schriftstellern wie Arnold Zweig und Bertolt Brecht veröffentlicht. Die Werke namhafter DDR-Autoren, wie Sarah Kirsch, Stephan Hermlin und Christa Wolf, wurden zwischen den 70er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts vom Aufbau-Verlag publiziert, obwohl sie gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann protestiert hatten. Die Regierung hat daraufhin Instruktionen erteilt zum einheitlichen Umgang mit Schriftstellern. Dennoch druckte der Aufbau-Verlag weiterhin system-kritische Texte.

Umstrukturierung des Aufbau-Verlags

Nach der Wende ging der Verlag in den Besitz des Immobilienunternehmers Bernd F. Lunkewitz über. Der gab an, davon ausgegangen zu sein, dass der Verlag vormals ein Volkseigener Betrieb der DDR gewesen ist. 1991 kaufte er von der Treuhandanstalt die Geschäftsanteile der Aufbau-Verlags-GmbH. Parallel dazu erwarb er die Anteile der Rütten & Loening GmbH. Beide Gesellschaften sind heute noch Bestandteile der Aufbau-Verlag GmbH & Co.KG.

Nachdem der Immobilienhändler und bekennende Marxist Lunkewitz den Verlag übernommen hatte, folgte ein Umzug ein neugebautes Haus am Hackeschen Markt in Berlin-Mitte. Auch unter seiner Führung lag der Schwerpunkt des Aufbau-Verlags traditionsgemäß auf der klassischen und modernen Literatur. Im Grunde hat sich daran nicht viel geändert. Ebenso wird auch heute noch gehobenere Literatur unter der Marke „Rütten & Loening“ herausgebracht.

Ungeklärte Eigentumsverhältnisse beim Verkauf des Verlags

Ab 1995 wurde die Verlagsarbeit zunehmend schwieriger. Lunkewitz war gezwungen, den Verlag ein zweites Mal zu kaufen. Denn eine Untersuchung der unabhängigen „Kommission zur Überprüfung des Vermögens der Parteien und Massenorganisationen der DDR“ hatte ein Jahr zuvor herausgefunden, dass die Treuhand 1991 nicht die rechtmäßige Eigentümerin des Verlags gewesen ist. Noch im gleichen Jahr verklagte Lunkewitz die Bundesregierung. Da es Vermerke in den Akten der Treuhand gab, ging Lunkewitz davon aus, einige der damaligen Beamten hätten von dem wahren Eigentumsverhältnis des Verlags gewusst. Er forderte Schadensersatz in Höhe von 50 Millionen Euro. Schließlich entschied der Bundesgerichtshof 2008, dass sich der Aufbau-Verlag nie im Volkseigentum befunden hatte und somit auch nicht von der Treuhand hätte verkauft werden können. Der eigentliche Eigentümer war zum Zeitpunkt des Verkaufs der Kulturbund. Lunkewitz erhielt 27 Millionen Euro Schadensersatz und zog sich aus dem Verlagswesen zurück. Daraufhin meldete der Verlag im Mai 2008 Insolvenz an, konnte aber im September des gleichen Jahres einen neuen Investor finden, den Berliner Kaufmann Matthias Koch. Mit Koch zog der Verlag vorübergehend in die Lindenstraße. Seit 2011 ist der Verlagssitz am Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg.