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Axel Springer Verlag

Der 1912 in Altona geborene Axel Springer ließ sich nach der Realschule als Setzer und Drucker ausbilden. In der Nachrichtenagentur des jüdischen Mitbegründers der Berliner National-Zeitung, einer parteinahen Meinungsbildnerin liberaler Ausrichtung, absolvierte der junge Hamburger ein Volontariat. Während dieser Zeit heiratete Springer die später als Dicky Funke bekannt gewordene Hamburger Baumeistertochter Martha Else Meyer. Ab 1933-1934 schrieb er als Redakteur für die Zeitung Altonaer Nachrichten seines Vaters Hinrich. Damit war er Teil der antisemitischen Propaganda der herrschenden Partei. Gemäß der 1935 von den Nationalsozialisten verabschiedeten Rassengesetze galt seine Frau, die nun Mutter der gemeinsamen Tochter Barbara war, als Halbjüdin. 1938 wurde die Ehe geschieden. Im selben Jahr beendete die zuletzt vom jüdischen Verleger Rudolf Mosse mitgetragene Berliner National-Zeitung ihr Erscheinen.

Der Verlag ab 1945

Nicht zuletzt weil Axel kein Mitglied in der Nationalsozialistischen Partei gewesen war, erteilte die zuständige englische Militärregierung Axel und Hinrich Springer am 11. Dezember 1945 die Lizenz für das Altonaer Verlagshaus Hammerich & Lesser, in dem Vater und Sohn Kalender und Belletristik verlegten. Es folgten die Publikation der Nordwestdeutschen Hefte, welche die politischen Kommentare des gleichnamigen Rundfunks in schriftlicher Form wiedergaben. Hierfür erteilten die britischen Besatzer Springer die Lizenz, weil sie den Druck der Rundfunkbeiträge nicht den Rundfunkanstalten selbst überlassen wollten. Ein selbstbestimmter privater Verleger vom Typ Axel Springer sollte sich mit dem gehörigen Abstand darum kümmern. Die Herausgabe der Zeitschrift Kristall für den gebildeten Mittelstand erwies sich für Springer als sehr lukrativ.

Programmzeitschrift Hörzu

Da die Käufer der Zeitschrift über den Rundfunk angelockt wurden, gründete Springer die Programmzeitschrift Hörzu, um die Zuhörerschaft zu pflegen und neue Zuhörer zu akquirieren. Den Antrag auf eine Lizenz begründete der Verleger mit dem notwendigen Bedarf der Bevölkerung. Die BBC in London sei aufgrund des Fehlens einer Programmzeitschrift gezwungen, seine Zuhörer aufzufordern, die über Funk gesendeten Programmdaten eigenhändig mit einem Stift zu notieren. Die Prägung durch die britische Besatzung äußerte sich im Lebenslauf Springers auch darin, dass er die britische Boulevardpresse zum Vorbild für seine Bild-Zeitung nahm. In den Anfangsjahren bestand diese überwiegend aus Fotos mit einer lakonischen Unterschrift, politischen Nachrichten auf der Vorderseite und Klatsch und Tratsch über Prominente auf der Rückseite. 1949 erhielt Springer die Lizenz Nr. 150 für die Frauenzeitschrift Constanze, die bis in die Sechziger Marktführerin blieb.

1953 kaufte Axel Springer Die Welt. Daraus entwickelten sich Das neue Blatt und Die Welt am Sonntag. 1959 erwarb Springer weitere Aktien am Ullstein Verlag, der die Berliner Morgenpost und die Berliner Tageszeitung herausgab, sodass er zum Mehrheitseigner wurde. Kurz vor seinem Tod 1985 entledigte sich Axel Springer der Hälfte seiner Unternehmensanteile. 1993 gehörten Leo Kirch 40% am veräußerten Teil. Die Axel Springer AG ist seit langer Zeit Marktführer in der deutschen Medienbranche und agiert in über 40 Ländern weltweit.